wenige tage vor der großdemonstration gegen den g8-gipfel am 02.06. in rostock meldet der tagesspiegel:
„da die globalisierungskritische szene nicht unbedingt als solche zu identifizieren ist“, sei „anlassbezogen eine vormeldung von größeren reisegruppen in richtung mecklenburg-vorpommern (z.b. rostock) an interne stellen vorzunehmen“. „möglichem gefahrenpotenzial“ sei durch „polizeiliche bzw. betriebliche maßnahmen frühzeitig und konsequent entgegenzuwirken”
wer also nicht das glück hatte, einen der zahlreichen, aber inzwischen restlos belegten plätze in den bundesweiten sonderbussen zu ergattern, sollte am kommenden samstag mit größeren einschränkungen, einschüchterungen, blöden fragen, betrieblichen maßnahmen, polizeikontrollen, und anderen behinderungen bei der individuellen anreise mit der bahn nach rostock rechnen.
inszwischen ist die „aufwendige technische sperranlage“, so die offizielle bezeichnung der sperranlagen um heiligendamm, verschlossen und die zufahrt nur noch mit berechtigungskarte und erheblichen sicherheitskontrollen möglich. in der gestern gezeigten reportage über heiligendamm „matjes für die mächtigen? – heiligendamm im gipfelstress“ konnte man einen eindruck davon erhalten, wie aufwenig die 8 führer der reichsten länder der erde in deutschland empfangen werden. selbst vorurteile über deutschland werden z.b. mithilfe künstliche verkleideter fachwerkhäuser geschürt.
die maßnahmen vor dem g8-gipfel werden immer dreister. briefsendungen werden aussortiert und kontrolliert („hierbei handelte es sich um richterlich genehmigte postbeschlagnahmungen im zusammenhang mit aufgetauchten bekennerschreiben“, detlef kreutzer bei spiegel online), internetcafebetreiber dazu bewegt videoüberwachung zu installieren, schlecker fillialen observiert, geruchsproben eingesammelt, versammlungsverbote ausgesprochen (inzischen aber vom gericht gekippt) und weiter die angst vor militanten g8-gegnern geschürt.
es erinnert mich stark an ov „kerze“…
zum heutigen jahrestag unseres inzwischen 58 jahre alten grundgesetzes denken politiker von cdu und spd im tagesspiegel über die schaffung eines grundrechts auf freiheit im internet nach:
„das internet ist ein neuer raum, die vierte dimension, eine welt in der menschen leben, lieben, sich wirtschaftlich betätigen“, begründet wiefelspütz (spd) seinen vorstoß. „diese welt sollte sich auch im grundgesetz wiederfinden als ein Raum der freiheit.“ in welcher Weise sich das wiederfinden soll – ob als eigenes neues grundrecht oder als ergänzung des postgeheimnisses – ist nach wiefelspütz noch offen. darin stimmt auch göbel zu. „wir brauchen die erweiterung des grundrechtsschutzes in der virtuellen eelt“, konstatiert der cdu-politiker, „wir brauchen es, wissen aber noch nicht wie“
die vierte dimension also? was sagt wikipedia zu dimensionen:
zunächst werden damit die drei raumdimensionen bezeichnet. der raum ist dreidimensional. durch ein koordinatensystem kann man die position eines objektes im raum mit drei angaben eindeutig bestimmen.
auch die zeit wird als dimension bezeichnet. in der relativitätstheorie werden die drei dimensionen des raumes mit der der zeit zu einer vierdimensionalen raumzeit vereinigt. zur positionsbestimmung in der raumzeit ist daher neben den drei raumkoordinaten noch die angabe eines zeitpunktes nötig, insgesamt also vier größen.
na dann schnell mal die zeit abschaffen und dafür dann das rauminternet erschaffen…
„völker hört die signale, auf zum letzten gefecht.“ – ein teil der internationale – wurde am vergangenen freitag zehn g8-kritikern (mehrheitlich russen) zum verhängnis. wie erst heute im stern bekannt wurde, riefen nervöse mitarbeiter eines privaten sicherheitsunternehmens zur „gefahrenabwehr“ die für den gipfel zuständige polizeigruppe „kavala“ nach heiligendamm. die gegner wurden durchsucht, 2 personen festgenommen und der vorgang – wohl aus sorge vor diplomatischen schwierigkeiten – bis heute verschwiegen.
in einem bericht über den derzeitigen besuch von außenminister steinmeier in afghanistan auf spiegel online steht zu lesen: „die menschen in kunduz und anderswo in afghanistan setzen darauf, dass wir an ihrer seite stehen” und weiter „wir werden wort halten und sie auch künftig beim wiederaufbau ihres landes unterstützen.“
herr steinmeier! wo bitte sind diese afghanischen menschen (ich beziehe mich mit dieser frage natürlich auf die außerhalb der grünen zonen), die darauf setzen, dass deutsche soldaten in ihrem land stationiert sind und in schwer gepanzerten fahrzeugen durch die straßen patroulieren um deutschlands sicherheit am hindukusch zu garantieren? warum wird seit dem anschlag vom vergangenen samstag immer wieder gebetsmühlenartig darauf verwiesen, dass die menschen in afghanistan uns brauchen? ist das ihre einschätzung – die ich insofern nachvollziehen könnte, als dass wir ja unbedingt wieder militärische verantwortung in der welt übernehmen müssen – oder lässt sich das auch nachweisen? und wenn ja, worauf bezieht sich der wunsch der menschen? darauf, das die sog. „friedenstruppe“ weiterhin in ihrem land patrouliert, oder auf die hilfe ziviler organisationen beim aufbau des landes? und selbst wenn die afghanischen menschen auch nur die hilfe deutscher hilfsorganisationen meinten, dann würde ich gern wissen, ob deutsche soldaten demnächst in jeder der vielen krisenregionen stationiert werden sollen, um stabilität und sicherheit für die bevölkerung zu gewährleisten?
interessanter artikel bei telepolis