17.04.2008
epoche intensivster konflikte

der un-sonderberichterstatter für das recht auf nahrung jean zickler, bekannt aus der dokumentation „we feed the world“, bringt die folgen der amerikanischen immobilienkrise und deren anhaltenden auswirkungen auf die weltbörsen in drastischer weise mit den entwicklungen der lebensmittelpreise und den daraus resultierenden unruhen , wie jüngst in haiti und anderen regionen der erde, in verbindung. so sieht jean ziegler in einem interview bei radio br 2 schon eine „epoche intensivster konflikte“ aufziehen, sollte das bisherige verhalten des iwf, der weltbank und der westlichen industrienationen nicht nachhaltig verändert werden. die westlichen industrienationen müssen sich vorwerfen lassen, mit ihrer „bio-sprit“-agenda eine große schuld an den steigenden lebensmittelpreisen zu tragen, da wertvolle agrarflächen für eine günstige alternative zum öl geopfert werden. zwar wurde das vorhaben in deutschland eingestellt, jedoch mit dem argument der unverträglichkeit für ältere autos. aber auch die politik der weltbank – kredite zu gewähren und die nehmerstaaten zum verkauf lukrativer produkte (kaffee, kakao usw.) auf dem weltmarkt vertraglich zu binden – hat in verbindung mit der amerikanischen immobilienkrise dazu beigetragen, dass nun vermehrt mit lebensmitteln (bzw. derem wert) spekuliert wird und dadurch die preise in die höhe getrieben werden.

11.04.2008
nieder mit it!

temporeich rappen, swingen und schnurren sich die kabarettisten pigor, benedikt eichhorn und ulli durch die (digitale) gegenwart. sie wagen sich an themen, an die sich sonst niemand herantraut. so zum beispiel in nieder mit it sprechen sie einer (womöglich zumeist älteren) generation aus der seele. so ist in diesem ssong zum beispiel folgendes zu hören:

Ich will kein neues Betriebssystem wenn das alte noch geht!
Diese permanente Nötigung zur Neuerung. Zur Zwangsbescheuerung
Ohne wirkliche Verbesserung.
Verfluchte Upgrades! Ihr Nachfolgemodelle fahrt zur Hölle!
Wenn ein verpickelter IT-Crack geschmäcklerische neue Grafiken ausgeheckt
Deine Lieblingsfunktionen abgespeckt oder vom Desktop weg in den Background verbannte.
Sie sind weiß wo,
und man braucht Wochen für die Wiederherstellung des Status quo – ante.

live kann man die 3 zur zeit in der berliner „bar jeder vernunft“ sehen:

9.04.2008
100 tage vorratsdatenspeicherung

100 tage werden unsere (telefon-, internet-, email- und geo-)daten nun schon gespeichert. grund genug, eine erste bilanz zu ziehen und zu fragen, wie die speicherung sich konkret auswirkt, welchen risiken wir nun ausgesetzt sind und letzlich wie die betroffenen akteure mit der neuen situation umgehen bzw. welche konsequenzen bisher gezogen wurden. gelegenheit dazu gab es heute auf einer veranstaltung der grünen in deren bundesgeschäftsstelle in berlin. geladen waren markus haas von o2, der landesdatenschutzbeauftragte aus schleswig-holstein thilo weichert, rosemarie will von der humanistischen union, patrick breyer vom arbeitskreis vorratsdatenspeicherung, christian rath von der taz und eva lichtenberger von den grünen aus österreich.

markus haas von o2 berichtete über die finanziellen und logistischen auswirkungen die sich durch die neue rechtslage ergeben. die getrennte speicherung der vds-daten von den für die abrechnung erhobenen daten hat laut haas o2 bisher 2 000 000 euro gekostet. die zusätzlichen kapazitäten für eine datenspeicherung der vds-daten liegt allein für o2 bei 8 terrabyte. eine unvorstellbare menge an (mit hochmodernen überwachungsplattformen leicht auswertbaren) daten, wobei die daten zur kommunikation im internet da noch nicht eingerechnet wurden. diese werden bisher nicht gespeichert, da noch keine abfrageschnittstellen definiert wurden. weiterhin berichtet haas über einen 24%igen anstieg bei den abfragen von gespeicherten daten im ersten quartal 2008. in 2007 gab es bei o2 35 000 abfragen.

rosemarie will von der humanistischen union verwies auf die während des vds-gesetzgebungsprozess’ vom justizministerium zurückgehaltene studie des max-planck-instituts und berichtete u.a. dass 70% der abgefragten daten von unbeteiligten stammen, der richtervorbehalt faktisch makulatur ist und die meisten der abgerufenen daten 2 wochen, max 4 wochen alt sind. besonders beängstigend: in 95% der fälle war allein durch die auswertung der verkehrsdaten ein rückschluss auf die gesprächsinhalte möglich.

patrick breyer vom ak-vorrat verdeutlichte dann, dass sich durch die zunehmende überwachung das verhalten der menschen ändert und diese dadurch autonomie, individualität und freiheit einbüßen.

eva lichtenberger, abgeordnete der grünen (österreich) im europäischen parlament erweiterte das themenspektrum und sprach über den frattini katalog, die cybercrime konvention, das geplante bka-gesetz, über biometrische vollkontrolle an den außengrenzen der eu, das neue flugpassagierdaten-abkommen und darüber, dass die vds nur der einstieg in den wandel von der unschulds- zur schuldvermutung darstellt.

7.04.2008
all-in-one überwachungsumgebung

mit der von nokia siemens networks entwickelten intelligence platform wird die verknüpfung digital gespeicherter daten zum kinderspiel: die totalüberwachung auf knopfdruck wird realität, denn das system vereinigt daten aus unzähligen datenbanken und ermöglicht dann mithilfe eines monitoring centers die verknüpfung und automatische verarbeitung der daten. so wirbt der konzern laut futurezone.orf.at in einer präsentation zum beispiel mit einer suche nach verdächtigen mustern in mehr als 21mio datensätzen von telefonverbindungen der letzten 60 minuten. mit dem system lassen sich in echtzeit mobilfunk-, internet-, maut- und gps-daten kontrollieren und auswerten. zur auswertung wird das intelligence mining system verwendet, welches eigenständig und nach bestimmten vorgaben die daten untersucht, die sprache analysiert und die ergebnisse in bestehende datenbanken integriert. nach angaben des konzerns wurden bisher 90 systeme dieser art in 60 länder exportiert.

das siemens technologie zur reibungslosen überwachung von dissidenten liefert ist im grunde aber nichts neues, da bereits vor 35 jahren das ministerium für staatssicherheit der ddr (stasi) systeme und programme von siemens zum aufbau eines systems der informationsrecherche der hv a – kurz sira – nutzte um die von offiziellen und inoffiziellen mitarbeitern besorgten daten über vermeintliche staatsfeinde auswerten zu können. internet und handys gab es zur damaligen zeit noch nicht und telefonanschlüsse waren eher die ausnahme und die informationsbeschaffung war somit natürlich wesentlich aufweniger. mit den heutigen weitverbreiteten kommunikations- und ortungstechnologien ist die beschaffung und auswertung personenbezogener daten aber nicht mehr so personalaufwendig, weshalb die stasi sich anfang 1990 selbst abwickeln durfte…