gefangener des jahres

gelesen in der taz:

„Einmal unterstellt, Marco hätte nicht in der Türkei, sondern in England in U-Haft gesessen, das Gericht hätte geschlampt, das Verfahren sich in die Länge gezogen. Wäre der Marco-Rummel in diesem Fall vorstellbar? Natürlich nicht. Nur der Umstand, dass der Schüler in der Türkei im Knast saß, kann die Metamorphose eines der versuchten Vergewaltigung angeklagten Jugendlichen zum quasi politischen Gefangenen in Feindesland erklären. Ein Opfer der feindlichen islamischen Justiz, die unseren christlichen Jungen festhält. Dieser ganze Aufruhr soll durch eine achtmonatige U-Haft erklärt werden? Hunderte, nicht zuletzt in deutschen Abschiebeknästen, schmoren monatelang unter menschenunwürdigen Bedingungen nach obskuren Anschuldigungen im Gefängnis, und kein Bischof kräht danach. Zum Gefangenen des Jahres wird man nur, wenn man in Feindesland im Knast festgehalten wird. Platte Islamfeindlichkeit und dumpfer Türkenhass sind der Resonanzboden, auf der Marcos Heldengeschichte gediehen ist. Schlechte Nachrichten aus Deutschland.“

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