4.02.2009
zattoo will alles wissen

Zattoo Player Screen

bisher konnte man die kostenlose tv-software zattoo nutzen, ohne großartig informationen über sich preisgeben zu müssen – wozu auch. als ich irgendwann mitte 2008 zattoo installiert habe, wollte man lediglich eine mail und ein passwort von mir wissen, damit das streaming der (überwiegend öffentlich-rechtlichen) fernsehkanäle funktioniert. damit ist nun schluss: wenn ich zattoo starte erscheint im player anstelle der sonst üblichen werbung ein hinweis, der mit dem satz beginnt „zattoo möchte dich besser kennenlernen.“ gefolgt von einem link „bitte erzähl uns hier ein bisschen mehr über dich.“. dem link folgend landet man auf einer seite, auf der eine unmenge an persönlichen daten abgefragt. auf dieser seite einleitend gibt zattoo sogar ganz offen zu, dass es „für werbende [nützlich ist], mehr über die nutzer zu wissen, denn dann können sie sicher sein, dass ihre werbung auch an die richtige zielgruppe gelangt“. abgefragt werden neben name, geburtsdatum, geschlecht aber auch noch  detaillierte informationen: zum einkommen, bildungsgrad, einkaufverhalten, sehgewohnheiten, hobbies. alles verpflichtent.

Zattoo Web Persönlichen Daten

da ich es bisher unterlassen, die gewünschten angaben zu machen, bleibt zattoo für mich bisher abgeschaltet und dies, obwohl zattoo bis auf das streaming keinerlei sonstige leistung erbringt.

3 punkte erwecken m.e. den eindruck, dass es sich bei zattoo nicht nur um eine einfache software zum empfangen von fernsehsendern handelt, sondern vielmehr um eine softwareentwicklung zur (nicht-anonymen) erforschung des fernsehverhaltens im internet (ob nun von der deutschen gebühreneinzugzentrale, anderen institutionen, unternehmen oder datenkraken sei ersteinmal dahingestellt): 1. zattoo verlangt für einfaches streaming eindeutig zu viele persönliche daten, 2. zattoo weist in den eigenen faq´s daraufhin, dass beim installieren der software eine trojaner-meldung erscheinen könnte und beruhigt anschließend mit der bemerkung, dass „zattoo [...] mit den herstellern von antivirusprogrammen zusammen [arbeitet], um die automatische unterscheidung des zattoo-players von malware zu unterstützen.“ und 3. sind auch zattoo´s datenschutzbedingungen überaus kritisch zu beurteilen. überdies ist es auch höchst merkwürdig, dass zattoo so offen darauf hinweist, im sinne effizienter werbevermaktung alles über die eigenen user erfahren zu wollen.

ich appelliere daher an zattoo, die unglaubliche datensammelei einzustellen und die bisherige freie verfügbarkeit wieder zu gewährleisten. kein anderer anbieter von unentgeltlichen digitalen angeboten hat es sich bisher erlaubt, die eigenen angebote bis zur herausgabe zahlreicher persönlicher daten einzustellen, also quasi das abhängigkeitsverhältnis der user ausgenutzt um sensible details von diesen zu „erspressen“.

zu diesem artikel gibt es 6 kommentare
kinra schrieb am 5.02.2009 um 18.57 Uhr:

update vom 05.02.2009:

auf meinen eintrag im blog von zattoo erhielt ich folgende antwort:

„@kinra und 123456: wir verstehen, dass das euch nervt und beunruhigt. Wir selbst hinterlassen auch nicht gerne einen Datentrail im Netz. Tatsache ist, dass wir nur einen Gratisdienst anbieten können, wenn wir irgendwie anders wieder die Kosten dafür decken. Unser Businessmodell beruht zum grössten Teil auf dem Verkauf von Werbefläche. Dies können wir umso mehr, wenn wir unseren Werbekunden helfen, die gewünschten Zielgruppen zu erreichen. Es macht für die z.B. keinen Sinn, wenn Werbung für Luxusautomarken dem typischen minderbemittelten Studenten gezeigt wird. Wir möchten unseren Werbekunden helfen, den Streuverlust möglichst gering zu halten. Und so sind wir auch wieder attraktiver als Werbepartner und haben schlussendlich wieder mehr Mittel, um euch einen möglichst guten Dienst zu bieten.

Eure Daten werden übrigens nur anonymisiert in Form einer Statistik weitergegeben.“

kinra schrieb am 5.02.2009 um 19.22 Uhr:

meine antwort darauf:

@helen: danke für deine rasche antwort. das werbung zielgerichtet sein soll um effektiv und effizient zu wirken mag (im sinne eures businessmodells) vernünftig sein, jedoch kann die derzeitige vorgehensweise von zattoo (also dienst gegen umfangreiche daten) auch schnell den absprung zahlreicher user (also potentieller empfänger der werbung) verursachen. zattoo wäre somit auch nicht geholfen, den gratisdienst weiterhin (und in zukunft stabiler) anzubieten: weniger user bedeutet letzlich ja auch weniger werbeempfänger, selbst wenn die werbung dann milieuoptimiert beim empfänger ankommen sollte.

und in einem weiteren post:

@helen: ich vergass zu folgender aussage noch etwas zu fragen: „Eure Daten werden übrigens nur anonymisiert in Form einer Statistik weitergegeben.“ warum erhebt ihr dann personenbezogene daten (also name usw.)? dann könntet ihr die doch auch weglassen. zumal zattoo die zugriffe (also die ips) sicherlich loggen wird und im ernstfall eine verknüpfung mit den personenbezogenen daten herstellen könnte.

kinra schrieb am 6.02.2009 um 16.52 Uhr:

update 06.02.2009:

inzwischen berichten auch andere blogger über zattoos datensammelwut: zattoo will alles wissen. und zattoo geht unter die nervensägen

123456 schrieb am 6.02.2009 um 22.52 Uhr:

@kinra

siehe auch: http://lawgical.de/index.php?/entry/475-Zattoo-will-es-genau-wissen.html

kinra schrieb am 6.02.2009 um 23.05 Uhr:

@123456:

den artikel habe ich bereits in meinem beitrag verlinkt :)

Zattoo mutiert offenbar zur Datenkrake! schrieb am 7.02.2009 um 17.24 Uhr:

[...] Zattoo-FAQ Zattoo will es genau wissen Zattoo will alles wissen Zattoo geht unter die Nervensägen kinra-Blog [...]

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